Gebrauchsanweisung
Wie sind die IGeL-Informationen strukturiert?In der Rubrik „IGeL A-Z“ können Sie aus einer Liste mit allen bislang bewerteten IGeL direkt eine IGeL auswählen. Unter den Links „Arztgruppe“ und „Organ“ sind die IGeL jeweils nach Arztgruppe, die die IGeL überwiegend anbietet, beziehungsweise nach der betreffenden Körperregion zusammengestellt.
Die Informationen über jede IGeL stellen wir in fünf Stufen dar, die von Stufe zu Stufe ausführlicher und fachlicher werden. Abhängig von Ihrem Informationsbedürfnis können Sie sich unterschiedlich viele Stufen erschließen. Sie vollziehen damit sozusagen den Weg unserer Arbeit nach, nur in umgekehrter Richtung: Unsere Arbeit beginnt mit einer fachlichen Analyse und endet mit einer klaren Bewertung. Die fünf Stufen im Überblick:
- 1. Stufe: Bewertungsaussage. Der erste Satz im Abschnitt „IGeL-Info kompakt“ fasst unsere IGeL-Bewertung in einer von fünf möglichen feststehenden Aussagen zusammen.
- 2. Stufe: IGeL-Info kompakt. In den zwei folgenden Absätzen finden Sie die wesentlichen Informationen zur IGeL selbst sowie zu unserer Bewertung.
- 3. Stufe: IGeL-Info ausführlich. Der längere Text geht ausgiebig auf Informationen zur IGeL selbst ein und begründet unsere Bewertung. Im Folgenden stellen wir die einzelnen Abschnitte von IGeL-Info ausführlich vor.
- 4. Stufe: Evidenzsynthese. Der primär für Fachleute geschriebene Text fasst die Ergebnisse der wissenschaftlichen Literatur zusammen und leitet daraus unsere Bewertung ab.
- 5. Stufe: Ergebnisbericht. Die tabellarisch aufbereitete Übersicht macht die Suche nach Literatur transparent und diskutiert jede einzelne von uns analysierte Studie.
Die Texte der 4. und 5. Stufe, die von wissenschaftlichen Mitarbeitern des MDS sowie von externen Gutachtern erarbeitet werden, richten sich eher an Fachleute. Die Texte der 2. und 3. Stufe, die von einem Medizin-Journalisten geschrieben werden, richten sich eher an Laien.
Was bedeuten die Bewertungsaussagen?
Wir ermitteln Nutzen und Schaden, wägen sie gegeneinander ab und gelangen zu einem Gesamtergebnis, das wir Ihnen als Vorschlag für Ihre eigene Abwägung anbieten. Die Aussagen bedeuten im Einzelnen:
- positiv: Unserer Ansicht nach wiegt der Nutzen der IGeL deutlich schwerer als ihr Schaden
- tendenziell positiv: Unserer Ansicht nach wiegt der Nutzen der IGeL geringfügig schwerer als ihr Schaden
- unklar: Unserer Ansicht nach sind Nutzen und Schaden der IGeL ausgewogen, oder wir finden keine ausreichenden Daten, um Nutzen und Schaden zu beurteilen
- tendenziell negativ: Unserer Ansicht nach wiegt der Schaden der IGeL geringfügig schwerer als ihr Nutzen
- negativ: Unserer Ansicht nach wiegt der Schaden der IGeL deutlich schwerer als ihr Nutzen
Wie wir die Abwägung im Einzelnen vornehmen, entnehmen Sie bitte der Bewertungstabelle unten auf dieser Seite. Bei den Bewertungen der IGeL haben wir die Einstufung jeweils erläutert.
Worum geht es im Block „Steckbrief“?
Der graue Block „Steckbrief“ in der rechten Spalte dient dazu, die IGeL anhand von Schlagwörtern einzuordnen und zu charakterisieren. Die Schlagwörter werden auch für die Links „Arztgruppe“ und „Organ“ in der Rubrik IGeL A-Z verwendet. Die Zeile „GKV-Leistung“ gibt Auskunft darüber, unter welchen Umständen die besprochene IGeL zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehört und welche anderen Leistungen von den Kassen für das Gesundheitsproblem vorgesehen sind. Diese Information ist für die Entscheidung für oder gegen eine IGeL unmittelbar relevant, weil sie Alternativen aufzeigt, die der Versicherte über seine Krankenkassenbeiträge ohnehin finanziert und auf die der Arzt vielleicht nicht ausreichend hinweist.
Worum geht es im Abschnitt „IGeL“?
Auf der Seite „IGeL-Info ausführlich“ beginnt die mittlere Spalte mit dem Abschnitt „IGeL“. Hier wird die IGeL kurz vorgestellt und erklärt, ob die Maßnahme immer eine IGeL ist, oder unter welchen Umständen sie zum Pflichtkatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehört. Diese Beschreibung ist aus zwei Gründen wichtig:
- Die Bewertung der IGeL bezieht sich nicht auf die Maßnahme allgemein, sondern auf die Durchführung in einem ganz bestimmten Anwendungszusammenhang. So kann eine Maßnahme, die bei schon bestehenden Beschwerden für die Diagnose einer Krankheit nützlich ist, als Früherkennungsmaßnahme, also wenn noch keine Beschwerden aufgetreten sind, wenig sinnvoll sein.
- Die Bewertung orientiert sich an dem Nutzen, der bei der Anwendung der IGeL in Aussicht gestellt wird. So muss sich etwa eine Krebsfrüherkennungs-Untersuchung daran messen lassen, ob sie tatsächlich Krebstodesfälle verhindern kann. Dass sie vielleicht auch das Sicherheitsgefühl der Patienten erhöht, wird also nicht berücksichtigt.
In diesem Abschnitt erfahren Sie auch die Preisspanne, in der sich die IGeL bewegt. Diese Preisangaben sind überwiegend dem Buch „MEGO 2011“ (ecomed Medizin) entnommen.
Worum geht es im Abschnitt „Gesundheitsproblem“?
Hier wird das Gesundheitsproblem beschrieben, für das die IGeL angeboten wird: Wie kommt es zu dem Problem, wie häufig ist es, wie sollte man nach dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Medizin damit umgehen?
Worum geht es im Abschnitt „Methode“?
Hier wird die IGeL ausführlicher vorgestellt: Was bedeutet sie, wie und warum wurde sie entwickelt, was soll mit ihr erreicht werden, welche verschiedenen Arten der Methode gibt es?
Worum geht es im Abschnitt „Empfehlungen anderer“?
Hier stellen wir die evidenzbasierten Empfehlungen der medizinischen Fachgesellschaften dar, die als oberste Fachinstanz den aktuellen Stand des medizinischen Wissens in Deutschland wiedergeben sollen. An diese Empfehlungen sollten sich alle Ärzte in Deutschland halten, sie müssen es aber nicht. Die Empfehlungen, auch Leitlinien genannt, sind auf den Internetseiten der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) frei zugänglich.
Die Leitlinien unterscheiden drei Qualitätsstufen:
- Eine S1-Leitlinie ist vor allem als Sammlung und als erster Entwurf zu verstehen, der von Fachkollegen noch nicht ausreichend kritisch diskutiert wurde.
- Eine S2-Leitlinie ist ausführlicher und eine S2e-Leitlinie bereits nach wissenschaftlichen Prinzipien überarbeitet.
- Eine S3-Leitlinie ist schließlich von allen Beteiligten nach höchsten wissenschaftlichen Standards geprüft.
Außer in begründeten Ausnahmefällen erwähnen wir nur die evidenzbasierten S2e- und S3-Leitlinien. Zusätzlich zu den deutschen Leitlinien werden in Einzelfällen auch internationale Empfehlungen zitiert.
Worum geht es im Abschnitt „Bewertung“ bei „Wirkung“ beziehungsweise „Treffsicherheit“?
Bei einer IGeL kann es sich um ein diagnostisches oder therapeutisches Verfahren handeln. Wir beschreiben hier, wie treffsicher eine Diagnosemethode bei der Erkennung oder bei der Vorhersage einer Erkrankung sein soll beziehungsweise wie eine Behandlung wirken soll. Dies sind jeweils Voraussetzungen dafür, dass die Verfahren einen nützlichen Effekt haben können.
Worum geht es im Abschnitt „Bewertung“ bei „Nutzen“?
Wirksamkeit beziehungsweise Treffsicherheit einerseits und Nutzen andererseits werden oft nicht ausreichend getrennt. Ein Nutzen geht weiter, da er danach fragt, welche Vorteile ein Test oder eine Behandlung einem Menschen am Ende bringen. Es geht beim Nutzen also um die Frage, wie sich die Lebensqualität verbessern und die Lebensdauer verlängern könnte.
Bei der Bewertung des Nutzens betrachten wir drei Aspekte:
- Der erste Aspekt betrifft die Vergleichsgröße. Der Nutzen eines diagnostischen oder therapeutischen Verfahrens kann nur dann sinnvoll ermittelt werden, wenn man ihn in Studien mit einer bekannten Größe vergleicht. Wenn man beispielsweise den Nutzen einer neuen Therapiemethode untersuchen möchte, würde eine Probandengruppe mit der neuen Methode therapiert werden, und eine andere als Kontrollgruppe dienen. Als Kontrolle kommen prinzipiell drei Möglichkeiten in Frage: Die Probanden der Kontrollgruppe bekommen entweder eine andere Therapie (meist die übliche Standardbehandlung), oder sie bekommen eine unwirksame Scheintherapie (Placebo), oder sie werden gar nicht behandelt (Nichtstun, Wartelistenkontrolle). Wir machen für jede IGeL-Bewertung deutlich, welche der drei Möglichkeiten in den von uns gefundenen Studien zum Einsatz kam und womit wir den Nutzen der IGeL vergleichen.
- Der zweite Aspekt betrifft die Sicherheit der Erkenntnisse auf Basis vorliegender Studienergebnisse („Evidenz“). Aus aussagekräftigen Studien können wir „Belege für einen Nutzen“ ableiten, aus weniger guten Studien lediglich „Hinweise auf einen Nutzen“.
- Der dritte Aspekt betrifft die Größe des Nutzens. Wenn wir die Größe des Nutzens einer IGeL bemessen, berücksichtigen wir zum einen, wie häufig die Leistung das Ziel erreicht, das mit ihr erreicht werden soll, und zum anderen, wie wichtig dieses Ziel für die Gesundheit der Betroffenen ist. Die beiden Teilaspekte Häufigkeit und Wichtigkeit ergeben dann zusammen die Bewertung „geringer“ oder „erheblicher“ Nutzen. Beispiele: Einen wichtigen, aber sehr seltenen Nutzen, wie etwa eine marginale Chance auf eine Lebensverlängerung, stufen wir als „gering“ ein, einen weniger wichtigen, aber sehr häufigen Nutzen, wie etwa eine reelle Chance auf einen deutlichen Gewinn an Lebensqualität, als „erheblich“.
Wir definieren für die Aspekte und Teilaspekte keine genauen Grenzen, versuchen aber, transparent zu argumentieren. So können Sie selbst überprüfen, ob unsere Einschätzung Ihren Wertvorstellungen entspricht. Wenn Sie beispielsweise einen Nutzen für wichtiger halten als wir, etwa weil Sie besondere Angst vor einer bestimmten Krankheit haben und auch die kleinste Chance auf ein frühes Erkennen ergreifen wollen, werden Sie am Ende den Nutzen vielleicht nicht als „gering“, sondern als „erheblich“ wahrnehmen. Dann werden Sie am Ende auch zu einer anderen Gesamtbewertung der IGeL kommen als wir.
Worum geht es im Abschnitt „Bewertung“ bei „Schaden“?
Eine IGeL kann, wie jede medizinische Maßnahme, direkt oder indirekt schaden. Ein direkter Schaden entsteht unmittelbar durch die Methode. Bei einem Bluttest beispielsweise ist der direkte Schaden sehr gering: Es piekst ein bisschen und selten kann sich die Stelle entzünden. Ein indirekter Schaden entsteht dagegen durch die Folgen, die eine IGeL haben kann, etwa wenn durch einen Diagnosetest eine Krankheit festgestellt und behandelt wird, die niemals zu einem Problem geworden wäre. Indirekte Schäden verdienen aus drei Gründen besondere Aufmerksamkeit: Sie sind leicht zu übersehen, sie werden selten thematisiert und sie können wesentlich gravierender sein als direkte Schäden.
Ähnlich wie beim Nutzen berücksichtigen wir auch beim Schaden die drei Aspekte Vergleichsgröße, Sicherheit der Erkenntnis und Größe des Schadens. Ein entscheidender Unterschied zum Nutzen besteht allerdings: Bei Früherkennungsmaßnahmen und invasiven Verfahren gehen wir grundsätzlich davon aus, dass sie möglicherweise die Lebensqualität beeinträchtigen, indem sie zum Beispiel Sorgen, Schmerzen oder Infektionen verursachen können. Deshalb gehen wir, von begründeten Einzelfällen abgesehen, bei jeder Früherkennungsmaßnahme und bei jedem invasiven Verfahren von „Hinweisen auf einen geringen Schaden“ aus. Der bloße Aufwand an Zeit und Geld, der je nach IGeL durchaus massiv sein kann, geht dagegen nicht in unsere Schadensabschätzung ein.
Worum geht es im Abschnitt „Bewertung“ bei „Fazit“?
Im Fazit fassen wir Nutzen und Schaden noch einmal zusammen und leiten daraus eine Gesamtbewertung der IGeL ab. Nutzen und Schaden müssen sich dabei jeweils auf dieselbe Vergleichsgröße – andere Intervention, Scheinintervention oder Nichtstun – beziehen. Für das Abwägen von Nutzen und Schaden haben wir ein Bewertungsschema entwickelt, das für alle drei Vergleichsgrößen gilt und das Sie der folgenden Tabelle entnehmen können.
Ein Sonderfall jedoch ist in der Tabelle nicht abgebildet: Wenn eine IGeL-Intervention mit einer anderen Therapie verglichen wird, kann es vorkommen, dass die IGeL weniger Nutzen oder weniger Schaden als die Vergleichstherapie zeigt. Konkret: Wenn beispielsweise eine IGeL im Vergleich zu einer anderen Therapie gleich viel Nutzen, aber weniger Schaden zeigt, bewerten wir sie als „tendenziell positiv“.
| Keine Hinweise auf Nutzen |
Hinweise auf geringen Nutzen |
Belege für geringen Nutzen / Hinweise auf erheblichen Nutzen |
Belege für erheblichen Nutzen |
|
|---|---|---|---|---|
| Keine Hinweise auf Schaden |
unklar | tendenziell positiv | positiv | positiv |
| Hinweise auf geringen Schaden |
tendenziell negativ | unklar | tendenziell positiv | positiv |
| Belege für geringen Schaden Hinweise auf erheblichen Schaden |
negativ | tendenziell negativ | unklar | tendenziell positiv |
| Belege für erheblichen Schaden |
negativ | negativ | tendenziell negativ | unklar |






