Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen

Kann Osteopathie Kreuzschmerzen lindern?

Osteopathische Behandlung am Rücken Bild: AJ_Watt/iStock

IGeL-Info kompakt

IGeL-Steckbrief
Fachgebiete Chirurgie/Orthopädie , Allgemeinmedizin
Bereich Rücken
Anlass

Schmerzen

Verfahren

Osteopathie

Kosten

In der Regel zwischen 80 und 150 Euro pro Behandlungseinheit. Viele Krankenkassen beteiligen sich mit einem Zuschuss an den Kosten.

GKV-Leistung

medikamentöse Schmerzbehandlung, Physiotherapie sowie bestimmte Formen der Bewegungstherapie (z.B. Rückenschule) oder multimodale Therapie bei längerer Erkrankungsdauer

Wir bewerten die IGeL „Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen“ mit „unklar“. 

Kreuzschmerzen gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden. Fast jeder Mensch ist im Laufe seines Lebens davon betroffen, und sie sind einer der häufigsten Gründe für Arbeitsunfähigkeit. Meistens handelt es sich um unspezifische Kreuzschmerzen, bei denen sich keine eindeutige körperliche Ursache finden lässt. Dauern die Beschwerden bis zu sechs Wochen an, spricht man von akuten Kreuzschmerzen; halten sie länger als 12 Wochen an, gelten sie als chronisch.

Viele therapeutische Maßnahmen – darunter auch die Physiotherapie – werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Die Osteopathie hingegen ist keine Kassenleistung. In der Regel sind mehrere Behandlungseinheiten erforderlich, deren Kosten jeweils zwischen 80 und 150 Euro liegen.

Das wissenschaftliche Team des IGeL-Monitors wollte wissen, ob Osteopathie bei akuten oder chronischen Kreuzschmerzen hilft. Anhand einer umfassenden Suche und Auswertung wissenschaftlicher Studien konnten wir keine Hinweise auf einen Nutzen dieser IGeL aus den Ergebnissen ableiten. Außerdem wollten wir wissen, ob Osteopathie schadet –Hinweise auf einen Schaden haben wir ebenfalls nicht gefunden.

Somit lautet unsere zusammenfassende Bewertung: „unklar“.

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https://igel-monitor.de/igel-a-z/igel/show/osteopathie-bei-unspezifischen-kreuzschmerzen.html

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In der Regel zwischen 80 und 150 Euro pro Behandlungseinheit. Viele Krankenkassen beteiligen sich mit einem Zuschuss an den Kosten.

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medikamentöse Schmerzbehandlung, Physiotherapie sowie bestimmte Formen der Bewegungstherapie (z.B. Rückenschule) oder multimodale Therapie bei längerer Erkrankungsdauer

IGeL

Etwa jeder siebte Krankheitstag ist in Deutschland auf Erkrankungen der Muskeln und Knochen zurückzuführen. Rückenschmerzen machen dabei den größten Anteil aus. Oft sind das unspezifische Kreuzschmerzen, also Schmerzen im unteren Rücken, ohne eindeutig feststellbare körperliche Ursache. Man schätzt, dass in Deutschland etwa jede dritte Person innerhalb eines Jahres mindestens einmal Kreuzschmerzen hat. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.

Eine häufig angebotene Behandlung ist die Osteopathie. Dazu gehören unterschiedliche osteopathische Techniken, die als „osteopathische Manipulationstherapie (OMT)“ zusammengefasst werden. Die Osteopathie wurde im 19. Jahrhundert von dem US-amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still begründet. Osteopathinnen und Osteopathen untersuchen und behandeln den Körper ausschließlich mit ihren Händen. Ihr Ziel ist es, Einschränkungen in der Beweglichkeit von Gelenken, Gewebe und Organen aufzuspüren und zu lösen – nicht im Sinne etwa einer Massage, sondern mit dem Anspruch, das Gleichgewicht im Körper wiederherzustellen und die körpereigenen Selbstheilungskräfte zu aktivieren. 

Osteopathische Behandlungen sind IGeL, die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel nicht. Die Kosten liegen pro Behandlungseinheit zwischen 80 und 150 Euro.

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Gesundheitsproblem

Kreuzschmerzen sitzen im unteren Rücken, zwischen Rippenbogen und Gesäß. Sie werden als „unspezifisch“ bezeichnet, wenn sich keine eindeutige Ursache, wie zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall oder eine Verletzung an der Wirbelsäule, finden lässt. Das ist häufig der Fall: In höchstens einem von fünf Fällen gibt es einen erkennbaren körperlichen Grund für die Schmerzen. Die Ursachen für unspezifische Kreuzschmerzen können vielfältig sein und körperliche, psychische sowie soziale Faktoren umfassen. Viele davon sind beeinflussbar: Bewegungsmangel, eine schwache Rumpfmuskulatur oder dauerhafte Fehlbelastungen durch langes Sitzen und einseitige körperliche Arbeit zählen ebenso dazu wie psychische Belastungen, beispielsweise Stress, emotionale Überforderung, Angst oder depressive Verstimmungen.

Treten die Schmerzen plötzlich auf, etwa nach einer ungewohnten Bewegung oder schwerem Heben, und halten nicht länger als sechs Wochen an, spricht man von akuten Kreuzschmerzen. Wenn die Schmerzen zwischen 6 und 12 Wochen anhalten, spricht man von subakuten Kreuzschmerzen. Wenn die Schmerzen länger 12 Wochen andauern und fast täglich auftreten, spricht man von chronischen Kreuzschmerzen. Treten Schmerzen nach mindestens einem halben Jahr erneut akut auf, nennt man sie rezidivierende chronische Kreuzschmerzen.

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Methode

Traditionell stützt sich die Osteopathie auf drei Säulen: die parietale, die viszerale und die kraniosakrale Osteopathie. Die parietale Osteopathie befasst sich mit dem Bewegungsapparat – Gelenken, Muskeln, Faszien und Knochen – und bedient sich dazu unterschiedlicher Techniken wie zum Beispiel der myofaszialen Entspannungstherapie, der Muskel-Energie-Technik, der spinalen Manipulationstherapie oder der positionellen Entspannungstechnik. In der viszeralen Osteopathie geht es um die inneren Organe, die mit sanftem Druck von Beweglichkeitseinschränkungen befreit werden sollen. Die kraniosakrale Osteopathie arbeitet mit minimalem Druck am Schädel, der Wirbelsäule und dem Kreuzbein, um dort den sogenannten kraniosakralen Rhythmus zu harmonisieren und Spannungen und Blockaden zu lösen. Diese unterschiedlichen Methoden fasst man unter dem Begriff „osteopathische Manipulationstherapie (OMT)“ zusammen.

Die Osteopathie ist in Deutschland als sogenannte komplementäre Methode der Heilkunde zugeordnet. Sie darf von Ärztinnen und Ärzten mit entsprechender Zusatzausbildung sowie Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern ausgeübt werden. Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten mit entsprechender Zusatzausbildung können osteopathische Techniken einsetzen, sofern eine ärztliche Verordnung vorliegt und der Einsatz im Rahmen ihres physiotherapeutischen Tätigkeitsbereichs erfolgt.

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Empfehlungen anderer

Für den unspezifischen Kreuzschmerz gibt es in Deutschlang zurzeit keine gültige Leitlinie . Eine ältere deutsche nationale Versorgungsleitlinie zum Thema Kreuzschmerz aus dem Jahr 2017 ist seit 2021 abgelaufen. Die Mobilisationstherapien, die auch im Rahmen osteopathischer Behandlungen zur Anwendung kommen, waren darin als Behandlungsoption aufgeführt.

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Bewertung

Wirkung

In der Osteopathie geht man davon aus, dass der Körper ein zusammenhängendes System ist, in dem alles miteinander verbunden ist – Muskeln, Knochen, Organe, Nerven und Gefäße – die sich gegenseitig beeinflussen. Nach dieser Lehre können die Beschwerden fernab vom Ursprung der Störung auftreten. Die Osteopathin oder der Osteopath versucht solche „Störungen“ zu ertasten und sie mit Handgriffen zu lösen. 

Ergebnis der systematischen Recherche

Das wissenschaftliche Team des IGeL-Monitors hat in der Forschungsliteratur nach Übersichtsarbeiten und zusätzlichen Einzelstudien gesucht, die die Frage nach dem Nutzen der Osteopathie bei akuten und chronischen unspezifischen Kreuzschmerzen im Vergleich zu keiner Behandlung, Scheinbehandlung oder konservativer Therapie untersucht haben. Unter konservativer Therapie haben wir die medikamentöse Schmerzbehandlung, Physiotherapie, bestimmte Formen der Bewegungstherapie, z.B. Rückenschule, oder bei längerer Erkrankungsdauer, die multimodale Therapie verstanden. Für die Beurteilung des Nutzens wollten wir wissen, ob die Behandlung Schmerzen und körperliche Einschränkungen lindern kann. 

Unsere Bewertung beruht auf der methodisch hochwertigen Übersichtsarbeit  Dal Farra et al. 2021 mit zehn für unsere Bewertung relevanten randomisierten kontrollierten Studien und insgesamt 1.160 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern. Diese Arbeit wurde als Leitreview herangezogen. Zusätzlich wurden zwei aktuelle randomisierte kontrollierte Studien mit knapp 400 (Nguyen et al. 2021) und 80 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern (Popovich et al. 2024) berücksichtigt. 

Für die Verringerung von Schmerzen wie auch von körperlichen Einschränkungen berichten Dal Farra et al. 2021 einige Vorteile der osteopathischen Behandlung bei chronischem unspezifischem Kreuzschmerz. Wegen der sehr niedrigen Evidenz qualität und damit geringen Aussagekraft der Ergebnisse haben wir daraus aber keinen Nutzen abgeleitet. Entsprechendes gilt für die beiden zusätzlich ausgewerteten aktuellen Einzelstudien Nguyen 2021 und Popovich 2024.

Für die Osteopathie bei akutem unspezifischem Kreuzschmerz haben wir keine Studien gefunden.

Nutzen

Die IGeL „Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen“ wäre nützlich, wenn sie Beschwerden von Betroffenen lindern und deren Lebensqualität verbessern würde.

Hinweise auf einen Nutzen wurden anhand der Ergebnisse nicht abgeleitet.

Schaden

Die IGeL „Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen“ wäre schädlich, wenn sie unerwünschte Nebenwirkungen hätte und die Lebensqualität Betroffener beeinträchtigen würde. Weder dem Leitreview noch den beiden Einzelstudien lassen sich verlässliche Aussagen zu einem möglichen Schaden entnehmen: Unerwünschte Ereignisse wurden darin entweder nur unzureichend aufbereitet und berichtet oder gar nicht erst untersucht.

Aufgrund der unzureichenden Erfassung von unerwünschten Ereignissen ist der mögliche Schaden durch die Intervention unklar.

Fazit

Wir bewerten die IGeL „Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen“ mit „unklar“. Wir sehen für diese als IGeL angebotene Leistung weder einen Nutzen noch ein erhöhtes Schadens risiko. Diese Einschätzung stützt sich auf die Ergebnisse der als Leitreview herangezogenen systematischen Übersichtsarbeit Dal Farra et al. 2021 sowie auf zwei zusätzlich herangezogene aktuelle Einzelstudien: Nguyen et al. 2021 und Popovich et al. 2024.

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Merkblatt für das Praxisgespräch

Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen

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Allgemeine Informationen zu dieser IGeL

  • Kreuzschmerzen sind Schmerzen im unteren Bereich des Rückens zwischen Rippenansatz und Gesäß. Sie werden als unspezifisch bezeichnet, wenn keine eindeutigen körperlichen Ursachen für den Schmerz festgestellt werden können.
  • Unterschiedliche osteopathische Techniken, die man als „osteopathische Manipulationstherapie (OMT)“ zusammenfasst, werden häufig als IGeL angeboten.
  • Die Osteopathie ist eine sogenannte „komplementäre“ Behandlungsmethode, bei der die Behandelnden ausschließlich mit ihren Händen arbeiten, die Beschwerden ganzheitlich im Zusammenspiel von Körper und Geist betrachten und den Körper bei den Selbstheilungs- und Selbstregulationsmechanismen unterstützen wollen.
  • Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für osteopathische Behandlungen nicht. Allerdings erhalten manche Patientinnen und Patienten von ihrer Krankenkasse einen Zuschuss.
  • Die Kosten liegen pro Behandlungseinheit zwischen 80 und 150 Euro.

Wie ist das Team des IGeL-Monitors vorgegangen?

  • Das wissenschaftliche Team des IGeL-Monitors hat in Forschungsdatenbanken systematisch nach Übersichtsarbeiten und zusätzlichen Einzelstudien gesucht, die die Frage nach dem Nutzen und dem Schaden der Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen im Vergleich zu keiner Behandlung, zu einer Scheinbehandlung oder zu einer konservativen Therapie untersucht haben. Unter konservativer Therapie wurden zum Beispiel die medikamentöse Schmerzbehandlung, Physiotherapie sowie bestimmte Formen der Bewegungstherapie verstanden.
  • Die Bewertung dieser IGeL stützt sich auf eine methodisch hochwertige Übersichtsarbeit sowie zwei aktuelle zusätzliche Einzelstudien, die bei chronischem unspezifischem Kreuzschmerz eine osteopathische Behandung im Vergleich zu keiner Behandlung, Scheinbehandlung oder Standardbehandlung, letztere mit und ohne Medikamente, untersucht haben.
  • Für akute unspezifische Kreuzschmerzen haben wir keine Studien gefunden, die den Einschlusskriterien des vorliegenden Berichts entsprechen.

Was sagt der IGeL-Monitor über den Nutzen?

  • Studienergebnisse deuten für die Linderung von Schmerzen oder körperlichen Einschränkungen bei chronischen Kreuzschmerzen auf mögliche Vorteile gegenüber keiner Behandlung, Scheinbehandlung oder konservativer Therapie hin. 
  • Insgesamt lässt sich jedoch aufgrund der sehr geringen Verlässlichkeit der Studienergebnisse und der daraus resultierenden geringen Aussagekraft kein Hinweis auf einen Nutzen ableiten.

Was sagt der IGeL-Monitor über den Schaden?

  • Die Studien zeigen keine Hinweise auf Schäden, jedoch erfolgte die Erfassung unerwünschter Nebenwirkungen unzureichend.

Was meint der IGeL-Monitor?

  • Unsere Bewertung der IGeL „Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen“ lautet „unklar“. 

Woher weiß der IGeL-Monitor das?

  • Analyse internationaler Forschungsergebnisse durch das Team des IGeL-Monitors.
  • Die Analyse basiert auf den Ergebnissen der systematischen Übersicht Dal Farra et al. 2021, die als Leitreview herangezogen wurde, und zusätzlich auf zwei aktuellen Einzelstudien: Nguyen et al. 2021 und Popovich et al. 2024.
  • Detaillierte Informationen zur Analyse unter www.igel-monitor.de.

Was ist der IGeL-Monitor?

  • Der IGeL-Monitor analysiert Nutzen und Schaden von IGeL (auch „Selbstzahlerleistungen“), damit Versicherte sich informieren können.
  • Träger: Medizinischer Dienst Bund

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